Engelchen
Öl auf Leinwand
30 x 80 cm
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In sanften Pastellfarben fiel einst Sonnenlicht durch das Blätterdach der alten Rotbuche. Es war so lange her, dass es zum Leben einer Anderen zu gehören schien.
Farbenfrohe Kleckse bedeckten den Sand. Die Kleidchen der Kinder leuchteten vor dem Hintergrund des Waldes. Vereinzelte Blüten neigten sich im schweren Atem des Spätsommers, schienen sich in den moosigen Schatten der Baumgreise zurückziehen zu wollen. Eine Kinderhand streckte sich nach einer der Blumen, zupfte sie aus und reichte sie erst weiter, nachdem sich eine Nase in sie gedrückt hatte. Die Kinder fassten sich an den Händen, blickten einander an. Das Blümchen nahmen sie in ihre Mitte.
„Unsere Zeit ist vorbei. Nun gibt es kein Spiel mehr und kein Ringelreihen.“ Die blauen Augen blickten nicht traurig.
„Warum könnt ihr nicht bleiben. Wir hatten so viel Spaß.“ Das einzige Kind, dem ein Sommerkleidchen fehlte, ließ den Kopf hängen und verzog seinen Mund.
Eine Kinderhand reichte ihm die kleine Blume. „Wir alle haben unsere Zeit. Doch irgendwann ist sie dann vorbei. Alles geht vorbei - irgendwann.“ Die Augen des Mädchens blickten tief und liebevoll in die des anderen und warteten auf ein Nicken.
Doch eines der Kinder gab es nicht. „Ich möchte spielen. Ihr seid meine besten Freundinnen.“
„Wir sind deine Schwestern“, korrigierte ein Blondschopf das Mädchen nachsichtig, „doch nicht hier - woanders.“
Tränen wie Regentropfen liefen seine Wangen hinab. Die kleine Blume begann zu welken. „Ich wollte sie nicht pflücken.“
„Sie wird mit uns gehen.“ Hütende Hände schlossen sich um die Pflanze.
Die träge Sommerluft begann sich zu wandeln; Wind kam auf. Die Mädchen fröstelten. Aus dem Wald drangen dumpfe Geräusche auf die Wiese.
„Ich glaube, es wird ein Gewitter geben.“
„Wir müssen nun gehen.“ Die Augen wandten sich in die Dunkelheit des Waldes. „Du kennst ihn bereits.“
Starr und unnachgiebig wie der Stamm einer alten Eiche hatte sich ein Schatten in das Dunkel des Waldes gefügt - so vollkommen stumm, dass niemand ihn zu sehen vermochte. Doch ein Gefühl wie von schmelzendem Metall legte sich um das traurige Mädchen. „Karin!“
Doch als es sich umsah, war es allein.
Wann immer es konnte, kehrte das Mädchen zurück auf die kleine Insel im Wald; doch die Schwestern besuchten es nicht mehr. Einzig eine Eule beobachtete es von Zeit zu Zeit von Stellen, an denen die Zweige am dichtesten waren. -Aber vielleicht war es auch gar keine Eule. (aus: Nomis Nait: Nachtbann)